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Gefördert durch die EU-Gemeinschaftsinitiative LEADER+

Unterallgäuer Gästebegleitung

500 Jahre Luther – Spuren der Reformation im Unterallgäu


Das Allgäu unter dem Einfluss der Schweizer Calvin und Zwingli und Luther: Vom Schulerloch in Bad Grönenbach über Mindelheim, in dem die Reformation nicht so offensichtlich ist wie Memmingen – wir bieten im Reformationsjahr eine neue Tour für unsere Gäste. Denn gerade im Verborgenen liegen die Schätze:

So soll Martin Luther mit großer Wahrscheinlichkeit auf der Rückreise von Rom 1511 im Mindelheimer Kloster seines Ordens übernachtet haben. Sein Seelenführer Johann Staupitz war mehrfach in diesem Kloster zu Gast und der Landesherr Georg I. von Frundsberg hinterließ gar das berühmte Lutherwort: „Münchlein, Münchlein, du gehest einen schweren Gang…“. Seine Frau, die Landesherrin Anna von Lodron, war eine glühende Anhängerin der Reformation und lud protestantische Prediger ein. Ihr Stiefsohn Melchior studierte in Wittenberg und schloss sich der Reformation an. Frundsbergs Sekretär, Adam Reissner, kam wegen seiner protestantischen Gesinnung in Haft. Sein Lied „In dich hab ich gehoffet, Herr…“ fand Aufnahme in das Evangelische Kirchengesangbuch. Somit gibt es deutliche Spuren von zentralen Personen der Reformation an markanten Orten in Mindelheim zu entdecken.

Doch auch in Egg an der Günz gibt es einen ganz starken Anknüpfungspunkt: Dort wurde Johannes Mayer geboren, der schon mit 12 Jahren zum Theologie- und Studium geschickt wurde und ein großer Rhetoriker war. Er diskutierte mit Luther 1519 in Leipzig, dies ist als Leipziger Disputation in die Geschichte eingegangen. Wie im Humanismus üblich, nannte sich Maier übrigens nach seinem Geburtsort und wurde so zu Professor Johannes Eck. In Ingolstadt lehrte er zusammen mit anderen scharfsinnigen Theologen, unter anderem dem Jesuit Canisius und zusammen bildeten sie ein intellektuelles Zentrum der Gegenreformation. Heute erinnert eine Tafel in Egg/Günz an diesen seinerzeit so berühmten Theologen.

Doch ein weiterer kleinerer Ort war im 16. Jahrhundert wegbereitend: Das heutige Bad Grönenbach war seinerzeit und ist es auch heute noch, die älteste und südlichste evangelisch-reformierte in Deutschland. Heute ist dies noch am Namen eines Ortsteils abzulesen, im Ort stehen die Kirchen beider Konfessionen in Sichtweite. Reichsmarschall Graf Philipp von Pappenheim führte im Jahre 1559 die Reformation schweizerisch - reformierter Prägung in seiner Herrschaft ein. Noch heute finden in der Gemeinde und der Schwestergemeinde in Herbishofen das schweizerische Gesangbuch. Im Übrigen lernte der angehende Priester Sebastian Kneipp als junger Mensch in Bad Grönenbach nicht nur Latein, sondern auch den evangelischen Pfarrer Köberlin, einen anerkannten Botaniker kennen. Von ihm lernte er viel in Kräuterkunde.



Die benachbarte Freie Reichsstadt Memmingen war mit der Reformation im 16. Jahrhundert evangelisch geworden. Schon 1513 predigte in deutscher Sprache dort der Schweizer Christoph Schappeler, ein guter Rhetoriker und Freund von Zwingli. Vom Humanismus geprägt, war Schappeler offen für die Sorgen und Nöte der Menschen im Umland, wo soziale Ungerechtigkeiten besonders gegenüber den Bauern zu großen Unruhen im ganzen Land führten. Diese soziale Haltung, die letztlich die Stadt Memmingen prägte, führte dazu, dass sich in Memmingen die Bauernanführer trafen und für einen Neuanfang mit Freiheit, Gerechtigkeit, Selbstbestimmung und Mitbestimmung für ihr eigenes oft armseliges Leben kämpften. In der Zunftstube der Kramer am Weinmarkt wurden im März 1525 die berühmten 12 Bauernartikeln zusammengefasst und veröffentlicht.

Wie das Mit-und Nebeneinander von katholischen und reformierten Bürgern funktionierte, lässt sich aber auch in Isny gut ablesen: Im Turm der Isnyer Nikolaikirche versteckt liegen die Originalschriften von Melanchthon, Zwingli und Calvin. Aus ihnen schöpften Prediger ihr Wissen. In dieser Predigerbibliothek hat sich die Zeit seit 500 Jahre nicht verändert. Die Bücher waren Wegbereiter, was daraus entstand, wird heute gefeiert – 500 Jahre Reformation. In Isny gibt es übrigens eigens eine Oper und ein Schauspiel: Die inszenierte Stadtführung in mehreren Akten an Originalschauplätzen lässt den Besucher zurück ins 16. Jahrhundert gleiten.

Infos zur Tour unter:

Unterallgäuer Gästebegleiter

Simone Zehnpfennig-Wörle

Werdensteinstraße 10

87758 Kronburg

Tel. 08394 92685

Fax 08394 926887

E-Mail: unterallgaeuer-gaestebegleiter@t-online.de

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